Oh man(n) – was für eine Schnapsidee beim Nürburgringlauf “Run am Ring 2015” die 24.4km mitzulaufen – dachte ich mir noch kurz vor dem Start, während leichter Nieselregen bei einer Temperatur von 14°C, heftigen kühlen Windböen und geschlossener Wolkendecke einsetzte…

… aber ich fange mal von vorne an …

Knapp sechs Wochen vor dem verlängerten Halbmarathon auf der Rennstrecke in Nürburg meinte mein Freund Chris zu mir, der den Lauf schon einmal absolviert hatte: “Da laufen wir zusammen, das wird ein Spaß!” “Du hast was an der Waffel, soweit bin ich noch nicht – nächstes Jahr bestimmt”, entgegnete ich ihm. Hatte ja erst vor gut sechs Monaten überhaupt erst mit dem Laufen angefangen. Die Tage vergingen und der Run am Ring rückte näher. Bei meinem damaligen Wochenpensum von ca. 35-40km, durchschnittlichen Streckenlängen von 10-15km – manchmal auch weniger, kam mir das wirklich absurd vor, da mitmachen zu wollen. Irgendwann kamen dann immerhin ein paar gemeinsame Laufeinheiten zustande und ließ mich nun doch darauf ein, beim Run am Ring mitzulaufen und dort mein Halbmarathon-Debut zu geben. Ein guter Freund redete mir auch gut zu, dass ich das locker packen würde.

Am Tag der Wahrheit bedeutete das im Endeffekt für mich, um 4 Uhr aufstehen, kurzes Frühstück, um eine halbe Stunde später dann über die Autobahn zu jagen, damit ich gegen 5 Uhr am verabredeten Treffpunkt pünktlich aufschlagen würde – was mir auch gelang. Nun ja – Chris hatte die Ruhe weg und so kamen wir mit Martin, einem befreundeten Ultraläufer von ihm, erst gegen 6 Uhr auf die Autobahn Richtung Nürburg. Nennen mussten wir noch vor Ort, da wir den Online-Nennungsschluss schon verpasst hatten. Das wurde zeitlich verdammt eng und sah uns schon, nach Blick auf die Uhr und den Megastaus zu den Parkplätzen, als Zuschauer. Um dem noch eins drauf zu setzen, begann es wie aus Eimern zu schütten... perfekt.

Kurzum – wir schafften es noch unsere Nennung zu machen, Startnummer und Chip inkl. Sportbeutel mit kleinen Präsenten der Sponsoren abzuholen und uns fertig zu machen. Martin war plötzlich verschwunden – so gute zwei Minuten vor dem Start – und suchten ihn wie die Verrückten (übrigens: ideales Aufwärmtraining, rennend, zwischen Strecke, Boxen und Toiletten jemanden in so einer Menge zu suchen), aber wir fanden ihn nicht. So starten wir, nach dem Startschuss, wirklich als Letze, in der Hoffnung, Martin irgendwann auf der Strecke einzuholen, da wir davon ausgingen, dass er eigentlich nur noch vorne im Feld gestartet sein kann.

 

Die nachfolgenden Läufer des 10km-Laufs die sich schon vorbereiteten und aufwärmten riefen uns zu: “Die sind schon alle unterwegs, gebt Gas!!!”, drückten dabei die Daumen und lachten. Der Sprecher am Mikro hatte auch noch ein paar aufheiternde Worte für uns und viele der am Start stehenden Zuschauer spendeten uns noch Applaus – ich musste einfach lachen und winkte dabei. Wo ist der nötige Ernst an der Sache? Gibt es in diesem Moment definitiv keinen, aber als wir auf die Strecke kamen, kam auch der wieder. Mein persönliches Ziel war einfach nur gesund ankommen, die Strecke durchzulaufen und Spaß dabei zu haben. Den hatten wir – vom Start bis ins Ziel.

 

Jetzt ging es erst mal durch eine Rechtskurve in die Mercedes-Arena an der gewaltigen Tribüne entlang. Da nach dem Run am Ring der Rad am Ring stattfand, waren anfangs überall auf der Strecke eine Unmenge Pavillons der Radfahrer aufgebaut. Die Radfahrer und Begleitleute standen am Streckenrand und feuerten die Läufermenge an - motivierend und begeisternd zugleich. Wir holten inzwischen das zweite Ende ein – sogar ein paar Pärchen mit Baby-Joggern waren dabei - und dann ging es über die Querspange, Kumho-Kurve, Bit-Kurve runter durch den Rheinland-Pfalz-Bogen und über die NGK-Schikane dann wieder hoch. Ich hatte mir ein paar Tage vorher das Streckenprofil mal kurz angesehen und es bis dahin doch recht erfolgreich verdrängt gehabt. Ich konnte mich nur noch daran erinnern, dass es irgendwann sehr lange bergab geht. Das war dann bald soweit. Vom GrandPrix-Kurs ging es dann auf die Nordschleife. Da bekommst wirklich Gänsehaut… wenn dir klar wird, was hier schon alles gefahren und auch passiert ist. Ich konnte mich kaum noch daran erinnern, wie es hier hoch und runter geht, geschweige wie kurvig die ganze Strecke überhaupt war.

hoehenprofil_24km-run-am-ring

Um uns nur Wald – stellenweise kann man an den hohen Punkten die ganze Landschaft überblicken – einfach herrlich. Und es beginnt kurz zu regnen. Tut der Sache keinen Abbruch da überall gute Stimmung herrscht, die Leute lachen, erzählen und sind gut drauf. Da die Strecke ziemlich breit ist, gibt’s auch beim Überholen keine Engpässe oder Drängeleien – alles entspannt. Kritisch wird es nur immer kurz an den zahlreichen Verpflegungsstellen, da viele ganz am Anfang der Tische einfach stehen bleiben. Aber alles halb so wild. Nun geht’s runter zur Quiddelbacher-Brücke, Flugplatz, Schwedenkreuz, Aremberg bis in die Fuchsröhre und dann wieder bergauf zum Adenauer-Forst. Und tatsächlich, wie ich es gelesen hatte – kurvig ohne Ende und immer weiter bergab bis Breidscheid – den tiefsten Punkt der Strecke mit 300m unter Start & Ziel und fast auf der Hälfte der Distanz. An der kommenden Verpflegungsstation eine riesige Überraschung – Chris Eltern waren überraschend gekommen und hatten auch meine Frau mitgenommen. Wir mussten hier eine kurze Pause einlegen…

Aber wie auch so oft im Leben – wo es runter geht, geht es meist auch wieder rauf. Und da es ordentlich runterging, konnte es logischerweise auch nur ordentlich wieder rauf gehen – Start und Ziel sind ja an der gleichen Stelle. Und das tat es – stellenweise war es so steil, dass wir gehen mussten. Jetzt wussten wir, das wir auf dem Weg zur Hohen Acht waren – eine Steigung mit ca. 17% und es begann wieder zu regnen und nicht wenig.

Die Strecke ging nun auch wieder etwas runter, danach wieder hoch und wieder runter – definitiv – für Abwechslung war gesorgt. Dann endlich Galgenkopf – es geht geschlängelt bergauf und dann kommt´s - fast am Ziel – über 3km immer geradeaus mit einer leichten Steigung. Ganz ehrlich – die fühlten sich doppelt so lange an. Auf halber Strecke vor mir ein Engländer mit gelbem Shirt – gehend. Chris und Martin kurz vor mir. Dennoch halte ich an und gehe ein Stück mit ihm. Er schüttelte nur noch den Kopf und fluchte vor sich hin – irgendwie hat er es geschafft, an der letzten Verpflegungsstelle vorbei zu laufen und sich etwas zu trinken zu nehmen. Ich reichte ihm aus meinem Trinkgürtel, den ich nur zur Vorsicht dabei hatte, die halbvolle Flasche, die er sofort dankend annahm und leer trank. Nachdem ich sie wieder weggesteckt hatte, schauten wir uns kurz an und ich sagte nur  zu ihm: „It´s not over, till it´s over“  - war das nicht von Starship? Egal. Er lachte und wir liefen wieder los. Er hob noch die Hand und ich grüßte zurück.

Chris und Martin waren schon einiges weiter und nun gab ich Gas, holte sie ein und zu dritt, im Endspurt, überliefen wir gemeinsam die Ziellinie. Was für ein Lauf – was für eine Strecke. Nächstes Jahr wieder… unbedingt.

Im Nachhinein war es schon krass, fast das halbe Läuferfeld überholt zu haben, was einem aber erst am Ende, nach Durchsicht der “Platzierung” und der Anzahl der Läufer und Läuferinnen, klar wurde. Was mir persönlich am meisten aufgefallen war – die Leute waren einfach gut drauf. Überall lachende Gesichter, motivierende Gesten zueinander, kurze lustige Gespräche und sehr nette und hilfsbereite Leute an den Verpflegungsstationen. Und für mein Halbmarathon-Debut auf dieser Strecke eine recht annehmbare Zeit, wie ich finde.

Gesamtzeit: 24.4 km : 2.34.30
Zwischenzeit: 21.1km : 2.11.22
Platz: 629 von 1239 (lt. Ergebnisliste)    //   126. in AK M45

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